„Der geistliche Mensch aber beurteilt alles.“ 1. Korinther 2,15 Liebe Gemeinde, an Pfingsten feiern wir den Geburtstag der Kirche: den Anfang der Gemeinschaft derer, die Jesus Christus nachfolgen. Dreitausend Menschen ließen sich damals taufen. Dreitausend Menschen empfingen die Gabe des Heiligen Geistes. Dreitausend Menschen wurden ergriffen von Gottes Kraft – und von da an waren sie begeistert dabei. Und es wurden immer mehr. Heute wetteifern Menschen im Internet darum, möglichst viele Follower zu haben. Man möchte gesehen werden, beachtet werden, Einfluss haben. Doch Jesu Nachfolger sind keine virtuellen Follower. Sie sind nicht nur mit einem Klick dabei. Sie gehören zu Christus – ganz konkret, mit ihrem Leben. Aber was sind das für Leute, diese Nachfolger Jesu? Oft sind es gerade nicht die Starken, Erfolgreichen und Glänzenden. Oft sind es Menschen, die wissen, wie zerbrechlich das Leben ist. Menschen, die an Grenzen kommen. Menschen, die nicht alles aus eigener Kraft schaffen. Doch der Glaube stellt sie in eine neue Beziehung: in die Beziehung zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Er ist für sie gestorben. Er hat am Kreuz scheinbar verloren – und doch gerade dort Gottes Sieg sichtbar gemacht. In ihm werden Verlorene gerettet, Schuldige begnadigt und Verlierer zu Gewinnern in Gottes Reich. Wer ohne den Heiligen Geist auf Christus schaut, sieht oft nur das Scheitern: einen Mann am Kreuz, einen Verurteilten, einen Gescheiterten. Doch wer den Heiligen Geist empfangen hat, sieht tiefer. Er erkennt im Gekreuzigten den Retter. Er erkennt in der Schwachheit die Kraft Gottes. Er erkennt im Kreuz nicht das Ende, sondern den Anfang des Heils. Woher kommt dieser Glaube? Er kommt aus dem Wort Gottes. Dort hören wir von den großen Taten Gottes. Dort erfahren wir, was Gott in Jesus Christus für uns getan hat. Darum wagen wir es, neu hinzuhören – nicht nur aus Gewohnheit, sondern mit offenem Herzen. Glauben heißt nicht nur, etwas für wahr zu halten. Glauben heißt: das Heil Gottes persönlich in Anspruch zu nehmen. Glauben heißt: sich an Christus festzumachen, aus seiner Vergebung zu leben und aus seiner Hoffnung Zukunft zu gewinnen. Das Kriterium, nach dem wir alles beurteilen – uns selbst, unser Leben und diese Welt –, bleibt Christus: der Gekreuzigte und Auferstandene. Das ist Pfingsten: Gottes Geist öffnet uns die Augen für Christus. Und wer Christus erkennt, der sieht die Welt neu.
Herzliche Grüße,
Ihr Pfr. Michael Weber